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Lernplattformen

Digitale Lernplattformen: innovativ, individualisierbar, flexibel

Digitale Medien erweitern inzwischen Ausbildung und Weiterbildung. Die Universität des Saarlandes erforscht, wie gute Lernplattformen die berufliche Bildung durch digitales Lernen verändern.

Digitale Medien ermöglichen selbstorganisiertes und individualisiertes Lernen. Auf dem deutschsprachigen Markt gibt es eine Vielzahl kommerzieller und kostenfreier Lern- und Serviceplattformen aus unterschiedlichen Kategorien:

  • Plattformen mit bereits fertigen Lerninhalten, beispielsweise Udemy und  Vocanto
  • Plattformen als Instrumente zur Verwaltung und zur Vernetzung der Lernenden, beispielsweise Ilias, itslearning
  • Plattformen, mit denen sich eigene  Lerninhalte erstellen lassen, beispielsweise Moodle, Google Classroom
  • Datenbanken mit einer Sammlung von Lerninhalten wie Elixier

Kriterien für eine gute digitale Lernplattform

Eine digitale Lern- und Serviceplattform für die berufliche Aus- und Weiterbildung, die dem deutschen  Bildungssystem mit seinen  verschiedenen Bildungswegen gerecht wird, muss die nachfolgenden Kriterien erfüllen:

  • Individualisierung: Die Lern- und  Serviceplattform muss an die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst werden können und ihre persönlichen Interessen einbeziehen. Die Notwendigkeit zur Individualisierung der Lerninhalte betrifft Mitarbeiter und Unternehmen gleichermaßen.
  • Flexible Nutzung und Modularisierung: Lern- und Serviceplattformen müssen flexibel, also orts- und geräteunabhängig nutzbar sein, sodass die Lernenden von überall auf den letzten Stand der Lernergebnisse zurückgreifen und an diesen weiterarbeiten können. Die einzelnen Lerninhalte müssen in kleinere Einheiten zerlegbar sein. Dieses sogenannte Micro-Learning ermöglicht es den Nutzern, auch kurze Pausen zu nutzen, um sich weiterzubilden.
  • Einsatz innovativer Technologien: Die Nutzung der erstellten Bildungsinhalte muss einerseits auf klassischen Endgeräten wie Laptop, Smartphone oder Tablet möglich sein. Andererseits ermöglichen Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen, kurz AR beziehungsweise VR, dass die erstellten Bildungsinhalte erfahrbar werden – orts-  und zeitunabhängig.
  • Verständlichkeit und Differenzierung: Das Aus- und Weiterbildungsangebot muss auf die spezifischen Anforderungen der Mitarbeiter zugeschnitten sein, beispielsweise durch unterschiedliche Herangehensweisen für jüngere und ältere Mitarbeiter.
  • Innovative Lehr- und Lernformate: Wissenschaftlich geprüfte und didaktisch innovative Lernformate fördern den Wissenserwerb und ermöglichen nachhaltiges Lernen. Experimentelles oder aktiv-entdeckendes Lernen findet in den Aus- und Weiterbildungsangeboten ebenso Berücksichtigung wie  abwechslungsreiche Medienformate.

 

Lernprogramme der Zukunft

Im Überblick:

  • Digitale Medien können die berufliche Aus- und Weiterbildung  bereichern.
  • Gute Lernplattformen sind flexibel einsetzbar und können an individuelle Bedürfnisse angepasst werden.
  • Das Forschungsinstitut  Bildung  Digital der Universität des Saarlandes arbeitet derzeit an zwei Lerntools, die künstliche Intelligenz und Augmented Reality einsetzen.

Weitere Informationen zu den Projekten des Forschungsinstitutes Bildung  Digital (FoBiD) der Universität des Saarlandes auf: www.fobid.org

 

Lernplattform Assist: Assistenzdienst für die  Unterrichtsplanung

Die Zukunft der Wissenstechnologien liegt in digitalen Assistenzdiensten, die ihren Anwendern mit Hilfe künstlicher Intelligenz den Arbeitsalltag erleichtern. Im Projekt Assist des Forschungsinstituts Bildung Digital der Universität des Saarlandes entsteht ein solcher Dienst, mit dem der Unterricht in Zukunft maßgeschneidert und qualitätsgesichert geplant werden kann.

Online-Kurse und Webinare ermöglichen eine individuelle Weiterbildung. Der Nutzer erstellt ein Profil, auf dem er seine Schulform, Fächer, Interessen und technischen Kenntnisse angibt. Der interne Suchdienst der Plattform orientiert sich an seinen konkreten Bedürfnissen und empfiehlt Material, welches auf seine Angaben zugeschnitten ist. Ein Service in dieser Form ist bisher einzigartig. Die Vorteile liegen auf der Hand: Lehrkräfte sparen einerseits Zeit, denn sie müssen sich nicht mehr auf die oft langwierige Suche nach passenden Lehrinhalten machen. Andererseits werden ausschließlich die für sie relevanten Materialien herausgefiltert.

Im Projekt wird großer Wert darauf gelegt, dass sämtliche Materialien qualitativ geprüft sind. Um dies zu gewährleisten, erarbeitet die beteiligte Universität die Inhalte und entwickelt passgenaue Materialien, die aktuellen fachdidaktischen Qualitätskriterien entsprechen. Mithilfe künstlicher Intelligenz können sich Lehrkräfte individuell weiterbilden. Durch ein breites Angebot an Online-Kursen sowie Webinaren mit Experten trägt die Plattform nicht nur zur Qualifizierung in bestimmten Lernbereichen bei, sondern auch zu einem kontinuierlichen Kompetenzerwerb im Bereich des digitalen Lernens.

Lernplattform AdEPT: Augmented- Reality-Brillen zur Ausbildungsunterstützung

Die Industrie erfährt durch die Digitalisierung tiefgreifende Veränderungen, aus denen sich neue Anforderungen an die betriebliche Bildung ergeben. Für die heranwachsende Generation ist die Integration innovativer Technologien selbstverständlich, für bereits ausgebildete Fachkräfte stellt die digitale Transformation eine  Herausforderung dar.

Hier setzt das Projekt AdEPT des Forschungsinstituts Bildung Digital an. Es nutzt die Potenziale von Augmented Reality, erweiterte Realität, in der beruflichen Aus- und Weiterbildung, um den derzeitigen Herausforderungen gerecht zu werden – beispielsweise den zunehmend komplexen Produktions- und Wartungsprozessen. Durch die Integration von IT-Lösungen ergeben sich neue Formen der Visualisierung und Vermittlung von Lerninhalten, die die Qualität der Ausbildung erhöhen und die technischen Kompetenzen von Auszubildenden und Ausbildern erweitern. Ausbilder und Techniker sollen dazu  befähigt werden, innerbetriebliche Lern- und Lehrinhalte mit AR-Brillen zu erstellen. Diese Inhalte werden von Wissenschaftlern ausgewählter Universitäten didaktisch aufbereitet und können den Auszubildenden auf einer Lernplattform individualisiert zur
 Verfügung gestellt werden.

Es kann jederzeit auf die Plattform und die darauf gespeicherten Inhalte zugegriffen werden, sodass jeder Nutzer in seinem eigenen Tempo und entsprechend seinem Kenntnisstand lernen kann. Durch die Integration von AR-Brillen in der Ausbildung können gleich mehrere Probleme auf einmal gelöst werden: Die Brille visualisiert unterschiedliche Prozesse im Unternehmen und vermittelt dadurch Lerninhalte auf eine ganz neue Weise. Auf diese Art wird auch die Fehlerrate bei Auszubildenden drastisch reduziert und weniger Ausschuss bei Werkstücken produziert. Sowohl Auszubildende als auch Ausbilder werden auf der Plattform ausführlich in die Technologie eingeführt, um diese effektiv nutzen zu können. Das Projekt startet zunächst mit der Ausbildung zum Mechatroniker und wird sich längerfristig auf weitere  Ausbildungsberufe ausweiten.

Internetbasierte Lernplattformen: mehr als bloße Online- Verfügbarkeit

Moderne, internetbasierte Plattformen stehen im Vordergrund, wenn es darum geht, zukunftfähige digitale Lernprogramme flexibel auf die Bedarfe der Zielgruppen anzupassen. Die Innovation geht dabei über die bloße Online-Verfügbarkeit der Lerninhalte hinaus. Einerseits sind die Lerninhalte so zu entwickeln, dass sie gleichermaßen auf und über mehrere Endgeräte hinweg funktionieren. Andererseits können die Lernsituationen der Zukunft  so in vielfältigen Wegen in die betrieblichen Prozesse im Unternehmen eingebunden werden. Durch die Integration der vorhandenen Systeme mit der Plattform können diese um neue Funktionen wie einem engen Datenaustausch mit beteiligten Maschinen und Anlagen oder die Anbindung von Planungs- und Steuerungssystemen erweitert werden. Dies bietet Lösungsansätze, Mitarbeiter individuell anzuleiten und somit on-the-job zu qualifi zieren und die Leistungs- und Lernprozesse an die
Fähigkeiten jedes einzelnen Mitarbeiters anzupassen. Dabei lassen sich auch die Grenzen zwischen produktivem Arbeiten und Lernen aufbrechen. 

Von didacta DIGITAL • Julia Brodt, Thorsten Dollmann, Julia Knopf, Oliver Thomas • 29.04.2019

Oliver Thomas

ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Osnabrück und Mitgründer der Didactic Innovations GmbH.

Julia Knopf

ist Professorin für Fachdidaktik Deutsch Primarstufe an der Universität des Saarlandes und Mitgründerin der Didactic  Innovations GmbH.

Thorsten Dollmann

leitet bei der Didactic Innovations GmbH den Bereich Softwareentwicklung und neue  Technologien.

Julia Brodt

ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsinstitut  Bildung  Digital der Universität des Saarlandes.

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