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Digitale Kompetenzen im Lehrplan: Das Beispiel Wales

Blick ins Ausland: An walisischen Schulen wird ein umfassender fächerübergreifender Lehrplan für digitale Kompetenzen umgesetzt.

Die Regionalregierung von Wales ist dabei, neue Lehr- pläne für alle Schüler zwischen 3 und 16 Jahren zu erstellen. Der neue Lehrplan soll erfahrungsbasiertes Lernen fördern, die Einschätzung von Lernfortschritten verbessern und Lehrkräften mehr Flexibilität bei der Umsetzung der Lernziele erlauben. Die Grundlage für diese Bemühungen stellt der ausführliche Bericht „Successful Futures“ des Bildungswissenschaftlers Graham Donaldson aus dem Jahr 2015 dar, der das Bildungssystem von Wales analysierte. Als erster Baustein dieser neuen Bildungsinhalte wurde im September 2016 das „Digital Competence Framework“, kurz DCF (zu Deutsch: Rahmenwerk für digitale Kompetenzen) veröffentlicht. In diesem wird festgelegt, welche Kompetenzen Schüler erwerben müssen, um in einer zunehmend digitalisierten Welt zurechtzukommen, zu leben und zu arbeiten – und auf welcher Bildungsstufe sie diese Kompetenzen erwerben. Das Digital Competence Framework soll im neuen Bildungsplan gleichberechtigt neben den beiden anderen fächerübergreifenden Verantwortungsbereichen Lesen und Schreiben sowie Rechnen stehen und ist in vier gleichwertige Teilbereiche gegliedert, die jeweils bestimmte Kompetenzen abdecken.

Unterrichtsideen für jede Stufe

Erstellt wurde das DCF von den Lehrkräften an sogenannten Pionierschulen, die von Experten unterstützt wurden. Für jede Altersstufe und jeden Teilbereich werden darin nicht nur die jeweiligen Kompetenzen festgelegt, sondern auch Unterrichtsideen genannt, die nach und nach ergänzt werden sollen. Das DCF soll nicht nur in bestimmten Fächern, etwa im Informatikunterricht, vermittelt werden, sondern fächerübergreifend; die Umsetzung des Bildungsplans liegt in der Verantwortung jedes Lehrers. Die walisische Regierung hat beschlossen, dass alle Schulen sich mit dem DCF vertraut machen und die Umsetzung vorantreiben sollen; verbindlich werden soll es voraussichtlich erst 2022. Vorher werden Feedback und Verbesserungsvorschläge von Schulen und Lehrern abgewartet. Dafür gibt es online eine eigene Feedbackfunktion, mit der Anmerkungen an der jeweiligen Stelle des DCF kommuniziert werden können.

Die Inhalte des walisischen Rahmenwerks für digitale Kompetenzen:

1. CITIZENSHIP (BÜRGERSCHAFT)
Dieser Bereich umfasst Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler brauchen, um „verantwortungsbewusste digitale Bürger“ zu sein, die „positiv zur digitalen Welt um sie herum beitragen und sich kritisch mit ihrem Platz in der digitalen Welt auseinandersetzen“. Dazu gehören folgende Teilbereiche:

›› Identität, Bild und Reputation Umgang mit persönlichen Informationen, Schutz vor Identitätsdiebstahl und verantwortungsbewusstes Nutzen von Social Media.

›› Gesundheit und Wohlbefinden Angemessenes und unangemessenes Verhalten online erkennen, die eigene Online-Nutzung reflektieren, Stereotype erkennen und ihre Wirkung einordnen.

›› Digitale Rechte, Lizenzen und Eigentum Nennen von Quellen, Grundlagen des Urheberrechts und erlaubte Nutzung von geschützten Inhalten.

›› Onlineverhalten und Cyberbullying Erhaltene Kommunikation filtern, Cyberbullying erkennen und sich davor schützen sowie online verantwortungsbewusst kommunizieren.

2. INTERACTING AND COLLABORATING ( INTERAGIEREN UND ZUSAMMENARBEITEN)

Die Kompetenzen erlauben dem Lerner, die effektivsten Kommunikationsmethoden zu identifizieren, Daten zu sichern und Methoden zum gemeinsamen Arbeiten zu nutzen. Dazu gehören die Teilbereiche:

›› Kommunikation Vor- und Nachteile bestimmter Kommunikationsanwendungen verstehen, fortgeschrittene Features und Funktionen nutzen und Kommunikationsanwendungen an den Zweck der Kommunikation anpassen.

›› Zusammenarbeiten Online-Tools zur Zusammenarbeit aussuchen und für gemeinsame Projekte nutzen, die Auswahl von Tools zur Zusammenarbeit reflektieren und einschätzen und wie sie sich auf die Arbeit auswirken.

›› Speichern und Teilen Verwalten, Komprimieren und Verschlüsseln von Speicherdaten und Onlinedienste nutzen, um Inhalte zu teilen.

3. PRODUCING (PRODUZIEREN)

Es werden Kompetenzen abgedeckt, die man für das „Planen, Erstellen, Evaluieren und Aufbereiten von digitalen Inhalten“ benötigt. Das betrifft Text, Grafiken, Audio- und Videoinhalte sowie Kombinationen daraus, die für die verschiedensten Zwecke eingesetzt werden. Die Teilbereiche sind:

›› Planung und (Quellen)suche Informationen suchen und bewerten, Suchergebnisse und Informationen verwalten und komplexe Projekte planen.

›› Erstellen Einsatz von Software und Anwendungen zum Erstellen von multimedialen Inhalten, Nutzung fortgeschrittener Funktionen und formelle Textdokumente für professionelle Adressaten erstellen.

›› Evaluieren und Verbessern Eigene und fremde Inhalte bewerten, Feedback und Selbstevaluation für Verbesserungen nutzen und Entscheidungen bei der Erstellung von Inhalten begründen und rechtfertigen.

4. DATA AND COMPUTATIONAL THINKING (DATEN UND RECHENBEZOGENES DENKEN)

In diesem Bereich werden Kompetenzen vermittelt, mit denen Schüler Probleme und digitale Methoden zur Problemlösung verstehen und durchblicken. Sie sollen lernen, „wie Daten und Informationen in unserer digitalen Welt verbunden sind“, und sich so auf „die moderne, dynamische Arbeitswelt“ vorbereiten. Dazu gehören die Bereiche:

›› Problemlösung und Erstellung von Modellen Algorithmen verstehen und einfache Algorithmen erstellen, komplexe Prozesse in einzelne Schritte aufgliedern, Algorithmen ändern und das Ergebnis vorhersagen.

›› Umgang mit Daten und Informationen Daten erheben, Datenmengen durchsuchen, Häufigkeitstabellen erstellen und statistische, datenbasierte Belege erstellen.

 

 

Von didacta DIGITAL • didacta - das Magazin für lebenslanges Lernen • 05.07.2019

Mehr Informationen zum DCF und den neuen Lehrplänen gibt es auf: learning.gov.wales

Dieser Beitrag erschien zuerst in: didacta – Das Magazin für lebenslanges Lernen, Ausgabe 1/2018, S. 48-50, www.didacta-magazin.de

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