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Digitalisierung in Schulen

SELFIE: Digitalisierung von Schulen messen

„SELFIE“ ist ein neues kostenloses EU-Programm für Schulen. Mit ihm können sie feststellen, wie es um das digitale Lernen in ihrer Schule steht.

Wir wollen eine Million SELFIE-Nutzer bis Ende 2019“, sagt Pan Kampylis. Er ist Projekt- und Forschungsleiter bei der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission, kurz GFS, und verantwortlich für die Entwicklung des neuen SELFIE-Schulprogrammes. SELFIE steht für „Self-Reflection on Effective Learning by Fostering Innovation through Educational Technologies“. Es ist ein kostenloses Online-Programm zur Selbsteinschätzung für Schulen mit dem Ziel, digitales Lernen europaweit zu verbessern.

Fragen zum digitalen Lernen

Bei SELFIE beantworten Schulleiter, Lehr- und Fachkräfte sowie Schüler Fragen zu digitaler Bildung. „Nutzen Ihre Lehrkräfte digitale Technologien zur Anpassung ihres Unterrichts an die individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler?“ lautet beispielsweise eine Frage an die Schulleiter. „Lernen die Schülerinnen und Schüler an unserer Schule, wie sie prüfen können, ob die Informationen, die sie im Internet finden, zuverlässig und richtig sind?“ ist eine typische Fragestellung an die Lehrkraft. Bewertet wird nach Schulnoten. Die Beantwortung der Fragen dauert für jeden Teilnehmer circa 30 Minuten. „SELFIE ist ein Tool zur Selbstreflexion, nicht eine weitere Studie oder Umfrage“, erklärt Ralph Hippe, der für die Europäische Kommission digitale Kompetenzen und Bildungsentwicklung erforscht und an dem SELFIE-Projekt mitarbeitet. Das Programm soll nicht bewerten oder vergleichen, sondern der Verbesserung der einzelnen Schulen dienen. Daher können die Schulen das Tool ihren spezifischen Bedürfnissen anpassen und eigene
Fragen hinzufügen.

Programm-Test: Schulen aus 14 Ländern

Mehr als 67 000 Schulleiter, Lehrer und Schüler aus 650 Schulen in 14 europäischen Ländern haben SELFIE im vergangenen Jahr getestet. „Sie berichteten, SELFIE sei einfach zu bedienen, die Fragen würden alle wichtigen Bereiche des digitalen Lernens abdecken und die Ergebnisse der SELFIE-Auswertung seien hilfreich, um die Verwendung digitaler Lerntechnologien zu verbessern,“ sagt Forschungsleiter Kampylis.

Mit der SELFIE-Auswertung erhält die Schulgemeinschaft eine Grundlage, um über das weitere Vorgehen bei der Digitalisierung zu diskutieren. „In Georgien hat beispielsweise ein Schulleiter aufgrund der SELFIE-Ergebnisse seine Schulstrategie geändert“, berichtet Hippe.

So funktioniert SELFIE

Nur die Schulen selbst haben Zugang zu ihren SELFIE-Berichten, die Antworten der Teilnehmer sind anonym. Grafiken darin verdeutlichen, wo die Stärken und Entwicklungspotenziale der Schule liegen. Balkendiagramme stellen die unterschiedlichen Sichtweisen von Schulleitung, Lehrern und Schülern gegenüber.

„Die Verwendung digitaler Technologien wird Schüler auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten, da nach 2020 90 Prozent aller Jobs digitale Kompetenzen verlangen werden“, sagt Kampylis. SELFIE soll die Schulen dabei unterstützen, ihre Schüler dafür fit zu machen. „Die Teilnehmerzahlen in der Pilotphase waren deutlich höher als von uns erwartet – wir hatten mit vier Ländern gerechnet, aber schließlich haben 14 Länder teilgenommen!“ Das zeigt, dass es einen großen Bedarf gibt.

SELFIE gibt es seit Oktober in 24 offiziellen EU- Sprachen. Das Programm ist frei verfügbar auf: ec.europa.eu/jrc/en/digcomporg/selfie-tool

Von didacta DIGITAL • Benigna Daubenmerkl • 21.11.2018

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