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MINT in der Lehre

MINT-Fächer attraktiv gestalten

Um MINT-Fächer in der Schule und an der Uni attraktiver zu machen, muss man neue Wege gehen. Prof. Günter Matthias Ziegler über kreative MINT-Bildung .

didacta: MINT an Schulen und Universitäten: Was muss sich ändern, damit diese Fächer attraktiver werden?

Prof. Günter Matthias Ziegler: Als Mathematiker antworte ich aus der Mathematik-Perspektive. Die gilt aber für alle MINTFächer. Zunächst einmal geht es darum, Interesse zu wecken und zu halten: Dafür braucht es den Blick auf das Ganze – also einen Überblick über das Fach, seine Vielfalt und Anwendungen, aber auch seine Geschichte. Im Unterricht heißt das: Nicht nur gut erklären, sondern auch Geschichten erzählen, einordnen, Verbindungen herstellen. Das gilt nicht nur für den Schulunterricht, sondern auch für die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer: Kaum ein Student bringt aus der Schulzeit ein breites Bild der Mathematik mit. Das muss im Lehramtsstudium neu entwickelt werden. Dafür gibt es an der Freien Universität Berlin im ersten Semester die Vorlesungen „Mathematisches Panorama“ und „Mathematik entdecken“ – beide weit weg vom traditionellen Curriculum. Wichtig ist außerdem: Für das Lehren und das Lernen braucht man Zeit. Es geht ja nicht um ein Auswendiglernen von Formelsammlungen, sondern um die Entwicklung von Vorstellungen. Es müssen Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven erklärt, gelernt, wiederholt und geübt werden, bis der Groschen fällt und Methoden verstanden sind.

Die wichtigsten neuen Ansätze in der MINT-Bildung?

Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten. Der Unterricht kann und muss sich mit digitaler Unterstützung verändern, beispielsweise indem mathematische Inhalte besser visualisiert werden oder als symbolisches Rechnen mit Computeralgebra-Systemen vorgeführt wird. All das aber mit Bedacht und ohne gleich jeden Hype aufzugreifen. So müsste auch der Umgang mit Daten  thematisiert werden, aber auf sinnvolle Weise. Voraussetzung für all das ist eine kompetente Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer, denn die MINT-Fächer verändern sich rasant. Das Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik, DZLM, arbeitet seit fünf Jahren aktiv daran, bundesweit einheitliche Standards zu etablieren. Gleichzeitig erzeugen der aktuelle Lehrermangel und die hektischen Nachqualifikationsprogramme für Quereinsteiger in vielen Bundesländern dauerhafte Probleme. Eine weitere entscheidende Komponente ist die verfügbare Unterrichtszeit, da mache ich mir große Sorgen. So wird beispielsweise für G9 in Nordrhein-Westfalen bei etlichen Jahrgängen Mathematik nur noch dreistündig unterrichtet. Das ist nicht ausreichend und deshalb grundfalsch.

Glauben Sie, dass „MINKT“, die Einbindung von Kunst und kreativen Aspekten, MINT-Fächer für Jugendliche spannender macht?

Zunächst ist mir wichtig zu betonen, dass die MINT-Fächer grundsätzlich kreative Fächer sind. Mathematik kenne ich als sehr kreatives Fach. Es geht also darum, das im Unterricht erlebbar zu machen. Ich finde es aber schwierig, dies im Lehrplan zu verankern und feste Module auszuarbeiten, weil das die Kreativität der Lehrenden einschränkt. Andererseits gibt es vielfache Verbindungen: Fähigkeiten beim Zeichnen helfen in der Geometrie und umgekehrt – das sind wertvolle Verbindungen.

Günter Matthias Ziegler

ist Professor für Mathematik an der Freien Universität Berlin, Buchautor und Mitglied des Deutschen Zentrums für Lehrerbildung Mathematik. Seit Juli 2018 ist er der Präsident der Freien Universität Berlin.

Von didacta DIGITAL • Benigna Daubenmerkl • 14.11.2018

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