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Medienkompetenz in der Ausbildung

Kfz-Azubis produzieren Lehrfilme

An einer Berufsschule im Sauerland produzieren Kfz-Azubis Filme für ihren Youtube-Kanal Damit vertiefen sie im Unterricht ihr Fachwissen, gewinnen an Medienkompetenz und schaffen Bildungsmaterialien für andere.

Angehende Kfz-Mechatroniker am Hönne Berufskolleg im nordrhein-westfälischen Menden erstellen Erklärvideos, die als freie Bildungsmaterialien auf Youtube veröffentlicht werden. . Lehrer Markus Schäfer hat dieses Konzept unter dem Namen kfz4me selbst entwickelt und seit dem Start des Youtube-Kanals 2011 überarbeitet.

Mit dem Konzept wollte Schäfer einen Weg finden, den Schülerinnen und Schülern digitale Handlungskompetenzen zu vermitteln und dabei pädagogischen Mehrwert zu schaffen – einerseits durch die Vertiefung des Fachwissens im Arbeitsprozess am Video, andererseits durch das Endprodukt, das im Unterricht genutzt werden kann. „Das Format, in dem die Lernvideos entstehen deckt fast alle Kompetenzen ab, die der digitale Kompetenzrahmen der Kultusministerkonferenz vorgibt“, erklärt Schäfer, so etwa „Kommunizieren und Kooperieren“ oder „Produzieren und Präsentieren“. Mittlerweile wurden die Videos mehr als eine Million mal angeklickt.

https://www.youtube.com/watch?v=gMOs16A4ttA

Wie wechselt man die Bremsbeläge bei einem Fahrzeug mit elektronischer Feststellbremse? Hier handelt es sich um einen VW Tiguan, Bj. 2013-2014, 2,0 TDI, 103 kW.

Schüler schreiben Manuskripte

Für die Videos schreiben die Schülerinnen und Schüler Manuskripte, die fachlich und sprachlich sitzen müssen.„Nur so wird die Arbeit bildungswirksam, die Schüler müssen die Texte sorgfältig formulieren, auch wenn sie nur kurz sind“, sagt Schäfer. Neben der inhaltlichen Richtigkeit sei es wichtig, die Wiederholung zentraler Begriffe nicht zu vermeiden, so, wie es die Schüler oft in der Schule gelernt haben. Von der Idee, die Schülerinnen und Schüler selbst vor der Kamera sprechen zu lassen, kam Schäfer schnell ab. Zum einen aus rechtlichen Gründen, da das Recht am eigenen Bild die weiteren Nutzungsmöglichkeiten der Videos einschränken würde. Und weil es didaktisch nicht sinnvoll sei. „Es geht dann nicht mehr um den Inhalt, sondern um die Performanz. Außerdem schämen sich viele vor der Kamera“, sagt er.

Jeder kann alles machen

Die Themen für die einzelnen Videos entstehen bei kfz4me im regulären Unterricht. Kleinteilige Wissensschnipsel – etwa die Demontage einer Zylinderkopfhaube oder die Funktionsweise einer selbstnachstellenden Kupplung – verteilt der Lehrer an die Schülerinnen und Schüler. Sie schreiben ein kurzes Manuskript. Wenn dieses geprüft und überarbeitet ist, folgt einige Wochen später das Einsprechen der Texte und der Schnitt der Videos bei einer Projektwoche. „Durch die mehrmalige intensive Beschäftigung mit den Inhalten über einen langen Zeitraum hinweg entsteht ein starker Lerneffekt“, sagt Schäfer. Lehrkräfte können dabei die Aufgaben so verteilen, dass verschiedene Schüler die einzelnen Aufgabenschritte zu einem Video übernehmen. So kann man flexibel auf die Lernbedarfe der einzelnen Schüler eingehen und einen Azubi zum Beispiel ein Video zu dem Thema schneiden lassen, bei dem er noch Probleme hat.

Mittlerweile ist das Konzept am Hönne Berufskolleg so etabliert, dass es Teil der Ausbildung für Kfz-Mechatroniker bleibt – obwohl Schäfer seit diesem Jahr nicht mehr dort arbeitet, sondern als Fachberater bei der Bezirksregierung Arnsberg. Themen für die Erklärvideos werden ihnen laut Schäfer nicht ausgehen. „Die Clips sind so kleinteilig, dass man nie das gesamte Fachwissen abdecken kann“, sagt er.

Im Überblick: Erklärvideos in 7 Schritten

1. Themenfindung
Aus den im Unterricht bearbeiteten Inhalten wählen Schüler und Lehrer kleinteilige Wissenseinheiten aus, die sich für kurze Erklärvideos eignen.

2. Manuskript erstellen
Jede Schülerin und jeder Schüler erstellt ein Manuskript mit dem Text, der für das Video eingesprochen werden soll. Die Manuskripte für ein zwei- bis dreiminütiges Video müssen dabei rund 1000 bis 2000 Zeichen lang sein.

3. Medien aussuchen
Die Bilder oder Filmausschnitte, die im Video gezeigt werden sollen, werden ausgewählt. Bei kfz4me kommen meist statische, selbst erstellte Bilder oder Grafiken zum Einsatz.

4. Qualitätskontrolle des Manuskriptes
Das Manuskript wird von der Lehrkraft und/oder einem Mitschüler geprüft und überarbeitet. Neben der fachlichen Richtigkeit kommt es auf eine klare und einfache Sprache an.

5. Aufzeichnung
Schülerinnen und Schüler – es müssen nicht diejenigen sein, die das jeweilige Manuskript verfasst haben – sprechen die Texte ein. Tipp: Im Stehen zu sprechen verbessert das Ergebnis.

6. Schnitt
Das Video wird im Zuge einer Projektwoche mit Hilfe geeigneter Software geschnitten. Bei kfz4me wird dafür das Programm Camtasia genutzt.

7. Nachnutzung
Die Lernvideos eignen sich zur Wissensauffrischung im Arbeitsalltag oder zur Vor- und Nachbereitung eines Themas. Die kfz4me-Videos werden auf einem Youtube-Kanal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

https://www.youtube.com/watch?v=tawSkZa2pdY

So erstellen Sie Erklärvideos einfach in Youtube.

Von didacta DIGITAL • BILDUNGSPRAXIS - das didacta Magazin für berufliche Bildung, 4/2019 • 12.11.2019

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