© Wehrfritz
Spiele für Computer-Verständnis

Digitales Lernen: Spiele machen Kinder zu Computerverstehern

Um Kinder fit für ein Leben mit digitalen Medien zu machen, vermittelt ihnen eine neue Generation Spiele wie Smartphones, Tablets und Computer funktionieren.

„Kinder werden heute im Alltag ständig mit Smartphones und anderen digitalen Medien konfrontiert. Das muss man pädagogisch auffangen, weil die Kinder diese Medien zu Hause oft sehr unreflektiert als reine Unterhaltungsmedien erleben“, erklärt Ute Schmid, Professorin für Angewandte Informatik an der Universität Bamberg und Gründerin der Forschungsgruppe Elementarinformatik. „Auch wenn sie mit den Geräten besser als ihre Eltern umgehen können, verstehen sie nicht, was da passiert“, fügt sie hinzu.

Ihre Forschungen zur Elementarinformatik bilden die Grundlage für die neue Spielereihe „Digital Starter“. Auf der didacta Bildungsmesse im Februar in Köln wurde sie erstmals vorgestellt. Kita-Kinder können damit spielerisch lernen, wie Computer arbeiten. „Mit den Spielen lernen sie außerdem, die digitalen Medien als Werkzeug zu begreifen, um Aufgaben und Probleme kreativ zu lösen“, sagt Schmid.

Wissenschaftlicher Hintergrund der Lern-Spiele

  •  Durch die Kombination analoger, gut „begreifbarer“ haptischer Materialien und Computermedien lernen Kinder, wie digitale Medien funktionieren.
  •  Die Kinder lernen, wie ein digitales Bild aufgebaut ist und ein Algorithmus funktioniert. Das bereitet einen reflektierten und souveränen Umgang der Kinder mit Computermedien vor.
  •  Die Spiele basieren auf kognitionspsychologischen, pädagogischen und didaktischen Prinzipien.
  •  Sie basieren zudem auf empirischer Forschung: Die Entwicklung  der Spiele – auch im Hinblick auf den Lernerfolg – erfolgte unter wissenschaflticher Begleitung.
  • Einfache Anleitungen ermöglichen auch Erzieher/-innen ohne Vorwissen angst- und barrierefrei die Arbeit mit den Spielen rund ums digitale Lernen.

Mit Legespielen digitale Medien verstehen lernen

Die Digital Starter-Spiele funktionieren nach vier Prinzipien – dieselben Methoden, die auch Computer bei ihren Arbeitsprozessen anwenden:

  •  eine Aufgabe in mehrere kleine, unabhängige Probleme zerlegen
  •  wiederkehrende und / oder unterschiedliche Muster bestimmen
  •  die richtige Reihenfolge und die Bedingungen der Lösungsschritte festlegen
  •  und durch das Beiseitelassen unwesentlicher Details allgemeingültige Lösungsstrategien finden.

„Unsere Spiele sind so aufgebaut, dass die Kinder zunächst im Sitzkreis von ihren Erfahrungen mit Handys und anderen digitalen Medien erzählen“, sagt die Professorin. Beim Spiel „Pixel“ zeigt die pädagogische Fachkraft beispielsweise, wie der Computer Bilder aus Pixeln aufbaut, indem sie ein Bild auf dem Tablet ganz groß zoomt. Danach setzen die Kinder selbst Pixelbilder zusammen – mit Farbsteinchen in einem Legerahmen. Fast wie ein Computer. So entwickeln sie ein Verständnis für den Bildaufbau bei digitalen Geräten, gleichzeitig wird die Feinmotorik geschult. Als nächstes erfahren sie, wie Coding funktioniert. Vom Computer erstellte Nummern entsprechen nun einer Farbe: 0101 steht beispielsweise für hellblau. Durch das Zuordnen der richtigen Farbe zu den unterschiedlichen Codes auf dem Legerahmen entsteht ein großes buntes Bild (siehe Abbildungen).

Beim Spiel „Algorithmus“ geht es um vorausschauendes Denken und die Fähigkeit, eigene Handlungsabläufe zu planen. Hier bauen die Kinder einen eigenen Wege-Parcours, bei dem sie bestimmte Bedingungen berücksichtigen müssen, um ans Ziel zu kommen – vergleichbar einem Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel. Sie erstellen sozusagen einen eigenen Algorithmus.

Ute Schmid betont, dass die Pädagogen beim digitalen Lernen unbedingt „locker“ bleiben und offen mit eigenem Nichtwissen und Fehlern umgehen sollten. „Es ist überhaupt kein Problem, wenn Kinder die Geräte besser nutzen können als die Erzieher, denn deren Aufgabe ist es, aufzuzeigen, was dahinter steckt und wie man die Geräte sinnvoll nutzt.“

Von didacta DIGITAL • Benigna Daubenmerkl • 13.05.2019

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