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DGB Ausbildungsreport

Auszubildende besser auf Digitalisierung vorbereiten

Viele Auszubildende sehen sich durch ihre Berufsausbildung nur unzureichend auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet. Das belegen Zahlen des neuen Ausbildungsreports der DGB-Jugend, der heute in Berlin vorgestellt wurde.

Zwar geben rund 80 Prozent der Befragten an, dass Digitalisierung und Automatisierung in ihrer Ausbildung wichtig oder sehr wichtig sind. Doch nur 54 Prozent der Jugendlichen sehen sich während ihrer Ausbildung gezielt darauf vorbereitet, digitale Technologien auch zu nutzen. Mit der Dauer der Ausbildung sinken diese Werte sogar noch. Während im ersten Lehrjahr noch mehr als drei Viertel (75,3 Prozent) der Auszubildenden optimistisch sind, was ihre die Vorbereitung auf die digitale Arbeitswelt angeht, sind es kurz vor der Abschlussprüfung nur noch 60 Prozent (60,4%).

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack sagte: „Diese Zahlen machen uns Sorge. Berufsschulen und Betriebe müssen gleichermaßen besser werden. Die Mittel aus dem Digital-Pakt von Bund und Ländern müssen auch an den beruflichen Schulen ankommen. Überdies gilt es, das betriebliche Ausbildungspersonal besser zu qualifizieren. Die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) sollte dafür dringend modernisiert werden.“

DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte sagte: „Zu einer guten Ausbildung gehören eine bessere technische Ausstattung und die Vermittlung von digitalen Kompetenzen ebenso dazu, wie besser qualifiziertes Lehrpersonal und Breitbandanschlüsse für die Berufsschulen“. Nur ein Drittel (34,9 Prozent) der Auszubildenden beurteilt die digitale Ausstattung ihrer Berufsschule als sehr gut oder gut. Ebenfalls ein Drittel (32,7 Prozent) sieht sich durch den Berufsschulunterricht nur ausreichend oder mangelhaft auf den Umgang mit digitalen Medien und Technologien gerüstet.

Enorme Unterschiede gibt es zwischen großen und kleinen Betrieben. Während 70 Prozent der Ausbildenden in Unternehmen mit mehr als 500 MitarbeiterInnen sagen, sie werden gezielt für digitale Technologien qualifiziert, sind es in kleinen Betrieben mit 5 bis 10 MitarbeiterInnen nur 45 Prozent. Wo es Betriebsräte oder Jugendvertretungen (JAVs) gibt, ist die Lage besser.

Große Probleme gibt es nach wie vor bei der Qualität der Ausbildung. Über ein Drittel der Befragten, muss regelmäßig Überstunden machen. Fast jeder achte Jugendliche unter 18 Jahren muss mehr als 40 Stunden in der Woche arbeite, obwohl dies verboten ist. Ebenfalls jeder achte muss immer oder häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten machen. „Die Ausbildungsbetriebe müssen sich an geltende Gesetze halten. Eine Ausbildung ist ein Lernverhältnis. Die Auszubildende dürfen nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.“, sagt Conte.

Zur Situation auf dem Ausbildungsmarkt sagte Hannack: Der Ausbildungsmarkt zerfällt zunehmend in parallele Welten. Auf der einen Seite steigt die Zahl der unbesetzten Plätze – es sind mittlerweile fast 58.000 –, auf der anderen bleiben die Regionen mit einem angespannten Ausbildungsmarkt. Die Ausbildungschancen der Jugendlichen hängen insbesondere von ihrem Wohnort, ihrem Schulabschluss und ihrem Pass ab. Wir haben in der Allianz für Aus- und Weiterbildung durchgesetzt, dass genau hier angesetzt wird, indem die assistierte Ausbildung weiter ausgebaut und für noch mehr Jugendliche und Betriebe geöffnet wird. Die assistierte Ausbildung setzt an der Achillesferse des dualen Systems an: Der sinkenden Ausbildungsbeteiligung vor allem kleinerer Unternehmen und den schlechten Chancen vieler Jugendlicher. Sie ist das einzige Instrument, das Jugendliche und Betriebe unterstützt.

Zu einer besseren Ausbildungsqualität müsse auch die Politik ihren Teil beitragen, sagte Bundesjugendsekretärin Conte, der vorliegende Gesetzentwurf für die Novelle des Berufsbildungsgesetzes müsse dringend nachgebessert werden. Darin sei zwar eine Mindestausbildungsvergütung vorgesehen, darüber hinaus ist aber wesentlich mehr nötig, um die duale Ausbildung wirklich fit zu machen für die Zukunft. Die DGB-Jugend fordert, die Rückkehrpflicht in den Betrieb nach der Berufsschule abzuschaffen, die Azubis für die Prüfungsvorbereitung freizustellen und die Ausbildung kostenfrei zu gestalten – auch was die Ausstattung mit Laptops, Tablets und anderen mobilen Endgeräten angeht. Außerdem sollte der Geltungsbereich des Gesetzes auf die betrieblichen Phasen des dualen Studiums ausgeweitet werden, das immer mehr Jugendliche absolvieren. Für zweijährige Berufsausbildungen sollte ein verbindlicher Durchstieg in eine mindestens dreijähre Ausbildung im Gesetz geregelt sein.

Erstmals sind weniger als 70 Prozent der Auszubildenden (69,9 Prozent) mit ihrer Ausbildung zufrieden. Tendenz sinkend. Jedoch gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen: Industriemechaniker, Verwaltungsfachangestellte, Mechatroniker und Industriekaufleute sind über Durchschnitt zufrieden. Hotelfachleute, Köche sowie Auszubildende in Teilen des Handwerks bewerten ihre Betriebe dagegen mangelhaft. „Wo die Ausbildungsbedingungen miserabel und die Vergütung schlecht ist, sind auch die Abbruchquoten hoch und die Arbeitgeber haben Schwierigkeiten ihre Ausbildungsstellen zu besetzen“, sagt Manuela Conte. An der repräsentativen Befragung haben sich 16.181 Auszubildende aus den laut Bundesinstitut für Berufsbildung 25 häufigsten Ausbildungsberufen beteiligt.

Von didacta DIGITAL • Deutscher Gewerkschaftsbund • 30.08.2019

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